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Schiedsrichtervereinigung feierte 90.Geburtstag


Foto: Von links nach rechts Klaus von Taschitzki, Hans-Dieter Krieg, Johannes Kolmer

Heidelberg. (ts) Als am 19. April 1919 im Schwetzinger Gasthaus „Zum Schwanen“ die Schiedsrichter-Vereinigung Neckargau im Süddeutschen Fußball-Verband (SFV) gegründet und Hans Siefert zum Vorsitzenden gewählt wurde, konnte niemand ahnen, dass dieser Kreis von streng blickenden Herren in rabenschwarzer Dienstkleidung neunzig Jahre später aus 165 aktiven und 40 passiven Schiedsrichtern bestehen würde, die sich in schicken gelben, roten oder grünen Trikots fröhlich pfeifend auf den Sportplätzen tummeln und – dank einer aktiven Neulingswerbung und sorgfältigen Ausbildung – immer jünger werden.

Seit Ende des letzten Jahres hat die damals in Schwetzingen aus der Taufe gehobene Schiedsrichter-Vereinigung des Fußball-Kreises Heidelberg 32 junge Schiedsrichter hinzugewonnen, so dass Hans Sieferts achter Nachfolger, der Leimener Hans-Dieter Krieg (39/VfB Rauenberg), kaum noch Mühe hat, die vielen Fußballspiele eines Wochenendes mit einsatzfreudigen, beweglichen und sportlich-fitten Referees zu beschicken.

Bereits im ersten Jahr nach der Gründung und unter der Leitung von Fritz Selzam verlegte die junge Gilde der „Pfeifenmänner“ oder „Schwarzkittel“, wie die unverzichtbaren Schiedsrichter in der rüden Sprache des Sports oft genannt wurden, ihre monatlichen Regelabende nach Heidelberg – in die „Rose“ nach Neuenheim, später ins „Ziegler-Bräu“, in die „Sieben Linden“ und schließlich in den „Nassauer Hof“. In jüngerer Zeit waren das Sportpark-Restaurant in Leimen und das geräumige Klubhaus des FC Fortuna Schatthausen die Lokale für die Pflichtsitzungen, bei denen oft namhafte Referenten aus dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und aus der Bundesliga – unter anderen Bundestrainer Sepp Herberger aus Hohensachsen und der ulkige Walter Eschweiler („Die schwarze Diva“) aus Bonn – oder dem Badischen Fußball-Verband (jahrelang die sachkundigen Obleute Oskar Blum aus Mannheim und Heinz Morlock aus Pforzheim) das Wissen der Heidelberger Unparteiischen auf unterhaltsame Art erweiterten.

Von den Vorsitzenden der Schiedsrichter-Vereinigung haben sich vier besondere Verdienste erworben. Das ist der aus Lahr stammende Ernst Duchardt, der sich nach dem Ersten Weltkrieg dem FC Phönix Neuenheim anschloss und später im 1. FC 05 Heidelberg und der TSG 78 Heidelberg wirkte und die Schiedsrichter-Kameraden von 1930 bis 1968 mit großer Strenge auf ihre Pflichten hinwies. „Nachdem ich aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt bin, (...) habe ich mir in kurzer Zeit über den Stand der Schiedsrichterfrage ein klares Bild geschaffen, das jedoch zu meinem großen Bedauern nicht den Erwartungen meiner, sowie dem Wunsche der Kreisvereine entspricht. (...) Ein Blick auf die sonntäglichen Fußballfelder aller Klassen ohne Unterschiede zeigt uns, wie wenig das Publikum Verständnis für die Entscheidungen des Schiedsrichters entgegenbringt, ja manchmal dünkt es einem, als würden niedere Instinkte nur den Sportplatz für ihre Radauszenen dazu aussuchen“, schrieb Ernst Duchardt am 5. Februar 1946 an alle Kreisvereine, wies auf die Notwendigkeit sofortiger Schiedsrichter-Fortbildungen hin und schloss knapp und unherzlich „Mit Sportgruß!“

Als Duchards Nachfolger Rudibert Jakobi vom SV Sandhausen 1968 (bis 1975) die Leitung der Heidelberger Schiedsrichter übernahm, stand ein aktiver Bundesliga-Schiedsrichter (41 Einsätze) an der Spitze der Vereinigung, der sich bei zwei Großereignissen einen Namen gemacht hatte. Rudi Jakobi war 25. Mai 1967 beim Europapokal-Endspiel in Lissabon zwischen Celtic Glasgow und Inter Mailand (2:1) Linienrichter im Gespann des Mannheimers Kurt Tschenscher und hatte 1965 in Hannover das deutsche Pokalendspiel zwischen Borussia Dortmund und Alemannia Aachen (2:0) geleitet.

Auf Rudibert Jakobi folgte 1975 für satte 20 Jahre der Vorsitzende Klaus von Taschitzki vom Heidelberger SC, der gemeinsam mit seinen langjährigen Mitstreitern Dieter Jünger und Walter Kloé viel Wert auf eine sorgfältige Ausbildung aller Schiedsrichter legte und regelmäßige Fitnesstests – unter anderen den allseits beliebten 2.500-m-Lauf – einführte. Spielbeobachtungen bei jüngeren Kameraden und ein persönliches Referees Coaching verbesserten wesentlich die Qualität und Akzeptanz der Spielleiter bei den Spielern und Trainern. Der Schiedsrichter ist von Amts wegen zwar der natürliche Feind des Fußballers, aber ohne Unparteiische gäbe es kein Spiel. 1985, so hat Klaus von Taschitzki als unermüdlicher Chronist des Schiedsrichterwesens festgehalten, haben die 162 Heidelberger „Refs“ 9.811 Spiele gepfiffen.

Auf Klaus von Taschitzki folgte für zwölf Jahre Johannes Kolmer vom 1. FC Hirschhorn, der seine Arbeit so gut erledigte, dass die Vereine ihn – einen Schiedsrichter! – 2007 zum Vorsitzenden des Fußball-Kreises Heidelberg wählten – und das macht er jetzt genauso tadellos.

Außer Rudi Jakobi hat der Kreis Heidelberg weitere Schiedsrichter hervorgebracht, die überregionale Geltung erlangt haben. Auf 102 Bundesligaspiele kam der im Alter von nur 56 Jahren verstorbene FIFA-Schiedsrichter Manfred Neuner vom VfB Leimen, der am 19. Mai 1990 das deutsche Pokalendspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Werder Bremen (3:2) im Berliner Olympiastadion leitete, sehr gerne auf die Pirsch ging und sich wegen der Annahme einer Jagdbüchse vom Schalker Präsidenten Günter Eichberg sogar strafrechtlich verantworten musste. Es war eine Tragödie, wie die glanzvolle Karriere dieses netten und stets fröhlichen Schiedsrichters zu Ende ging. 45 Bundesligaspiele zwischen 1985 und 1993 leitete der ganz und gar unbestechliche Bankbeamte Kurt Witke vom SC Mönchzell, der unaufgeregt und freundlich gerne samstags in der Eliteliga und sonntags in der C-Klasse im Einsatz war.

Rudolf Eisemann vom FC Spechbach (1965/66) pfiff ebenso wie Peter Kaufmann von FC Walldorf (1972/73) ein Erstligaspiel, während Manfred Scheffner vom FV Nußloch (1974 – 1981) sechsmal in der Bundesliga und 45-mal in der 2. Liga eingesetzt wurde, wo auch Wolfgang Frey vom Heidelberger SC, der heutige Trainer der SG Kirchheim II in der Kreisklasse B, in der Saison 1969/70 pfeifen durfte. Eine Zierde des Fußball-Kreises Heidelberg ist Christel Zdunek vom SV Sandhausen, die 61 Spiele der Frauen-Bundesliga zu einem guten Ende führte.

Von Claus-Peter Bach

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