Anschlusstor Partner
 
Pfoschdeschuss
Werbung proconcept Werbung pekkip Werbung SPK-RNN Werbung erde3 Werbung Dema
   MENÜ
»  National
»  International
»  RTK 2017/18
»  Torjäger Landesliga RN
»  Torjäger Kreisliga MA
»  Anschriftenverzeichnis HD
»  Anschriftenverzeichnis MA
93
NEWS
Monat Jahr
News wählen: 

Die Sportwoche im Gespräch mit ...


(Foto: Spowo) Prof. Dr. Gerd Gruber demonstriert das Einsetzen einer Hüftgelenk-Endoprothese.

…. Prof. Dr. Gerd Gruber, in Heidelberg tätiger Orthopäde, Unfallchirurg und Sportmediziner, der WBA-Boxweltmeister, Manuel Charr  vor sieben Monaten zwei Hüftprothesen einsetzte und damit erst den WM-Kampf ermöglichte.

Die Diskussionen um die tatsächliche Staatsbürgerschaft Manuel Charrs dauern noch an, worüber die eigentliche Sensation – nämlich Profisport zu betreiben, mit zwei künstlichen Hüftgelenken fast in den Hintergrund trat.

Oder ist das gar keine Sensation?

Prof. Dr. Gerd Gruber: „Nein, das ist keine Sensation und auch kein medizinisches Wunder, wie es in manchen Medien etwas reißerisch dargestellt wurde. Hier kamen einfach verschiedene Faktoren zusammen: Ein hochmotivierter Sportler, der ein klares Ziel vor Augen hatte, dass er beharrlich verfolgte. Dazu ein optimaler OP-Verlauf sowie eine ideal verlaufene Rehabilitation.“

Sportwoche: Wieso wurde eine solche Operation bei einem so jungen Menschen notwendig? Manuel Charr ist erst 33 Jahre alt.

Prof. Dr. Gerd Gruber: "Manuel Charr litt unter einer sogenannten Dysplasie-Arthrose beider Hüftgelenke. Diese wurde hervorgerufen durch eine angeborene Fehlanlage beider Hüftgelenke, das heißt, die Gelenkpfannen – beidseitig – waren nicht ausgeformt. Dadurch war auch seine Beweglichkeit erheblich eingeschränkt, weil die Kraft, mit der ein Schlag beim Boxen ausgeführt wird, zum wesentlichen Teil aus den Hüften kommt.“

Sportwoche: Von einer Einschränkung der Beweglichkeit konnte man nicht sprechen, während des Titelkampfes – Manuel Charr wirkte sogar extrem leichtfüßig. Trotzdem überrascht die kurze Dauer der Heilung. Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes ist doch ein schwerwiegender Eingriff in den Körper. Früher sprach man von einer recht „blutigen“ Operation.

Prof. Dr. Gruber. „Das war früher einmal so. Heute ist das dank minimalinvasiver OP-Techniken zum Glück anders. Wir müssen nicht mehr durch die Obermuskulatur schneiden. Der Eingriff wird, wie gesagt,  minimalinvasiv durchgeführt. Hierbei wird der Schnitt auf Höhe des Hüftkopfes entweder von vorne oder von der Seite angelegt und ist nicht länger als acht bis neun Zentimeter. Und wir brauchen bei meiner Methode keine Drainage mehr – das alles verkürzt die OP, den Heilungsprozess und die Reha immens. Vor allem auch deshalb, weil die Operation zuvor am Computer dreidimensional simuliert wird. Anhand der Röntgenaufnahmen werden die Implantate, die eingesetzt werden individuell ausgesucht.  Je nachdem, wie alt ein Patient ist, werden kürzere oder längere Stiele verwendet. Wir können das heute ganz individuell anpassen. Es gibt somit nicht mehr „die“ Hüftprothese – sondern für jedes Lebensalter ein entsprechendes Modell. Auch das verkürzt den Heilungsprozess und die Reha.“  

(Foto: Spowo) Verschiedene Modelle von Prothesen.

Sportwoche. Der Patient bekommt ja einen Fremdkörper implantiert, der sowohl mit dem Oberschenkel- als auch mit dem Beckenknochen verbunden wird. Dauert es nicht einige Zeit, bis man das operierte Bein wieder belasten darf?

Prof. Dr. Gruber: „Nein, im Grunde kann das Bein sofort nach der OP belastet werden. Natürlich muss die Beweglichkeit trainiert werden. Aber die Belastung ist überhaupt kein Problem.“

Sportwoche: Wie muss man sich eine solche Operation bildlich vorstellen?

Prof. Dr. Gruber: „Bei der Operation wird zunächst vom Oberschenkelknochen der Hüftkopf im Bereich des Schenkelhalses abgesägt und in den Schaft ein Stiel aus Titan zementlos eingesetzt  und dann mit einer Pfanne aus Titan mit Keramik- oder Polyethylen-Inlay gekoppelt. Implantate aus Titan sind biologisch inert, d.h., sie sind hypoallergen und  werden vom Körper des Patienten auch nicht abgestoßen. Man sagt sogar, Knochen lieben Titan. Es gibt kein anderes Material das vom Knochen so gut angenommen und  integriert wird, wie Titan.“

(Foto: Spowo) Prothesen mit Keramik-Gelenkkopf und - pfanne.

Sportwoche: Und wie lange dauert eine solche Operation?

Prof. Dr. Gruber: „Etwa eine Stunde. Bei Manuel Charr dauerte die gesamte Operation – also an beiden Hüften – knapp zweieinhalb Stunden.“  

Sportwoche: Das bedeutet, dass ein Hobbysportler, der unter Arthrose leidet, nach einer solchen Operation seinen Sport auch weiterhin ausüben kann?

Prof. Dr. Gruber: "Absolut, bis auf Fallschirmspringen, Bungee-Jumping und andere Extremsportarten, kann man alles wieder machen. Ein 62-jähriger, sehr sportlicher Patient von mir, hat nach der beiderseitigen Implantation einer Hüftgelenk-Endoprothese mit dem Touren-Skifahren angefangen.
Beim alpinen Skifahren sollte man allerdings darauf achten, dass man nur bei guter Sicht und nicht auf Eis fährt. Beim Überfahren von Bodenwellen, die man nicht sieht und daher nicht durch die entsprechende Körperhaltung ausgleicht, kann es problematisch werden.  Ein 48-jähriger, sehr sportlicher Patient, den ich 2 Jahre zuvor mit einer Hüftgelenk-Endoprothese versorgt hatte, ist bei widrigen Wetter- und Sichtbedingungen in eine solche Kompression gefahren und hat sich hierbei die Endoprothesenpfanne in sein Becken eingetrieben. Die Pfanne musste ich dann wechseln!“

Sportwoche:  Könnte eine Hüftgelenk-Endoprothese hierbei auch brechen?

Prof. Dr. Gruber: „Das ist heutzutage eine sehr seltene Komplikation und kommt – im Gegensatz zu den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts – aufgrund erheblich besserer Materialien praktisch nicht mehr vor. Im Gegensatz hierzu kann jedoch ein Keramik-Inlay (in der Pfanne) oder ein Keramikkopf bei einem Implantationsfehler oder beim Auftreten einer entsprechend hohen Kraft, Monate oder Jahre nach dem Eingriff brechen. Die Wahrscheinlichkeit für diese Komplikation liegt bei ca. 1:25.000.“

Sportwoche:  Bei Manuel Charr kamen also alle positiven Aspekte zusammen. Mit anderen Worten: Er ist kein medizinisches Wunder?

Prof. Dr. Gruber: „Nein, das ist fernab von jedem Wunder. Aber wie erwähnt, Manuel Charr ist extrem ehrgeizig und er hatte dieses Ziel vor Augen – auch dieses zeitliche Ziel, 25. November. Generell kann man aber sagen, dass der Heilungsprozess nach einer solchen Operation üblicherweise schnell und gut verläuft und die Lebensqualität erheblich erhöht wird. Die Beweglichkeit wird wieder hergestellt und man ist wieder schmerzfrei.  
Dies ist auch der Grund, warum man den Einbau eines künstlichen Hüftgelenkes als  `die erfolgreichste Operation des 20. Jahrhunderts` bezeichnet! Die Patienten werden hierdurch wieder mobiler, werden schmerzfrei und haben wieder einen größeren Aktionsradius. Diese wiedererlangte gebesserte Beweglichkeit und die Möglichkeit, wieder Sport treiben zu können, ist die conditio sine qua non* in der Therapie vieler Zivilisationskrankheiten wie z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, aber auch bei Depressionen und Krebserkrankungen.“

Herr Professor Dr. Gruber, wie bedanken uns für dieses ausführliche und aufschlussreiche Gespräch.

* unabdingbare Voraussetzung

zurück zur Übersicht
   TOPTHEMA
AXSE BasCats empfangen BG Veilchen Göttingen
BASKETBALL DAMEN -  Am Samstag, 16. Dezember 2017, um 17:30 Uhr, ist es soweit; Das erste...
mehr...
TSG Hoffenheim – VfB Stuttgart 1:0
FUSSBALL -  (Foto: PIX/M.Ruffler) Uth zieht ab und trifft gleich zum 1:0 für die...
mehr...
   ERGEBNISSE
Ergebnisse der letzten 7 Tage
FRSASOMODIMIDO