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Hoffenheim: Schlecht gespielt, schön geredet, wieder verloren!


(foto: RICCI): Matchwinner Claudio Pizarro (Werder Bremen).

SV Werder Bremen beim 1:0-Auswärtssieg mit wenig Aufwand und optimalem Ertrag

Sinsheim. (jw) Ein Hauch von Europa wehte durch die Rhein-Neckar-Arena. Dank der Gäste, die am Donnerstag in Valencia einen Auftritt der Kategorie „Internationale Klasse“ hingelegt hatten. Und denen nun eine ökonomische Management-Leistung genügte, um den Kraichgau-Club mit einem einzigen Geniestreich des ansonsten unter einer grünweißen Tarnkappe versteckten Stürmerstars Claudio Pizarro zu besiegen. Die TSG 1899 Hoffenheim verliert auch das zweite Sonntagsspiel (das hat man nun von den amateurfeindlichen Terminen!) hintereinander mit 0:1 und stagniert auf Rang 11 sowie mäßigem Niveau. Der SV Werder Bremen hingegen bleibt dem nordischen Rivalen Hamburger HSV (Platz 5) auf den hanseatischen Fersen und hat im 111. Jubiläumsjahr noch drei heiße Eisen im Saison-Feuer.

Für Hoffenheim gilt: Nachdem alles gesagt und getan ist, ist mehr gesagt als getan. TSG-Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus kündigt im Stadionmagazin an: „Im heutigen Heimspiel werden wir ein anderes Gesicht zeigen und damit beginnen.“ Doch die 30.150 Zuschauer in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena sehen ungefähr dasselbe maskenhafte Gesicht wie schon vor Wochenfrist gegen Mainz 05. Der Spielaufbau ist umständlich wie Kevin Kuranyi beim Satzbau, die Abwehr verletzlich und der Sturm ein laues Lüftchen.

Ein einziger Husarenstreich von „Seine Effizienz“ Claudio Pizarro besiegt Hoffenheim 

Und die Standards, aus denen Spitzenteams wie Bayern München und der FC Schalke 04 Tore destillieren, werden kläglich vergeigt. Die Eckbälle verhungern schon an der Strafraumgrenze auf unkontrollierbarer Bauchnabelhöhe. Die Freistöße segeln über Freund und Feind hinweg in des Keepers Arme oder gleich über dessen Beziehungskiste. Oder sie landen, immerhin selten bei einem Könner wie Carlos Eduardo, im Seitenaus. Man fragt sich als unbedarfter Laie auf der Tribüne, was die Profis den lieben langen Tag im Training eigentlich machen. Standards zu üben scheint offenbar nicht zum Standard-Repertoire zu gehören. Auch die Flanken sind derzeit alles andere, nur nicht todbringend.

Der einstige SV-Bodybuilder (mittlerweile gertenschlanke) Tim Wiese, in Valencia noch zu Weltklasse-Reflexen genötigt, hat einen nahezu arbeitsfreien Sonntag und bekommt während der gesamten 90 Minuten keinen einzigen Schuss zum Halten. Und das ist eben der Unterschied zu seinem Gegenüber. TSG-Torwart Timo Hildebrand muss zwar auch nur ein oder zweimal retten, hat aber trotzdem das Nachsehen. Zehn Minuten vor dem Abpfiff: Claudio Pizarro hebt eine Fußgelenk-Vorlage von Marko Marin über Hildebrand ihn hinweg an die Unterkante der Querlatte, von der aus der Ball hinter die Linie springt. Apropos Marin. Dieser Bonsai-Riese am Ball bringt nach seiner späten Einwechslung Leben in die Bremer Bude, dribbelt und tunnelt, dass es für den Fußballgourmet eine wahre Pracht ist.

Mehr gesagt als getan: „Wir sind alle an unsere Grenzen gegangen“? Alle, Herr Salihovic?

Wer weiß, wie das nicht gerade temporeiche Spiel gelaufen wäre, wenn Werder-Trainer Thomas Schaaf seine hochkarätige Drückerkolonne ins Feld geführt hätte. Mesut Özil, auf den die Zuschauer sich gefreut hätten, war angeschlagen und erst gar nicht im Kader. Marko Marin kam erst nach 67 Minuten – allerdings nicht langsam, sondern gewaltig. Würde unter Druck (Grace under pressure): So hat Ernest Hemingway den Begriff „Mut“ definiert. Diese Art von Mut ging den Gastgebern nach dem 0:1-Rückstand in der 80. Minute durch Pizarros gefühlvollen Lupfer endgültig flöten. Es zeugte nicht von Würde, auch nicht den geringsten leidenschaftlichen Widerstand gegen die erneute Heimniederlage zu entwickeln. Allerdings ist es

Mehr gesagt als getan? Nach dem Spiel gegen Mainz sagte der Kapitän: „Wir müssen eben weiter im Training hart arbeiten.“ Nein, Herr Salihovic: Sie müssen auch mal im Spiel hart arbeiten! Stattdessen erklärt der vor allem durch Fehlpässe „glänzende“ Freistoßspezialist a. D. nach dem Abpfiff: „Wir sind alle an unsere Grenzen gegangen, der Mannschaft kann man keinen Vorwurf machen.“ Eine dreiste Übertreibung: An ihre Grenzen gegangen sind höchstens Junglöwenherz Boris Vukcevic, der viele Bälle erkämpfende Tobias Weis und der kernige Kraichgau-Bube Christian Eichner. 

„Meine Jungs haben das über weite Strecken gut gemacht“: Nein danke, Herr Rangnik!

In der Hoffenheimer Offensive waren zwar lauter Gelbfüßler unterwegs – allerdings nicht mit badischem Fleiß, sondern mit brotloser brasilianischer Kunst. Apropos: Wer sagt dem zweifellos begnadeten Dribbel-Egomanen Maicousel endlich mal, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, in dem der Ball ab und zu auch mal zu einem besser postierten Mitspieler gepasst werden sollte? Und Carlos Eduardo, dieses Versprechen von einem Mozart am Ball, kann sich sein WM-Ticket wohl selbst kaufen. Von Brasiliens Nationaltrainer Carlos Dunga wird er es in dieser Verfassung jedenfalls kaum erhalten.

Schade, dass TSG-Trainer Ralf Rangnick in seiner Analyse das Spiel fast schon so schönredete wie Stadion-PR-Sprecher Mike Diehl, der schon nach dem Pausenpfiff des guten Schiedsrichters Peter Sippel von einer „guten Halbzeit“ der TSG schwadronierte. Nicht viele unter den maßlos enttäuschten Zuschauern dürften Rangnicks Bewertung teilen: „Meine Jungs haben das über weite Strecken gut gemacht und haben alles gegeben.“ Wenn das wirklich alles war, kann man nur sagen: Gute Nacht, TSG 1899 Hoffenheim!

Joseph Weisbrod






























(foto: RICCI): Carlos Eduardo (1899) im Zweikampf mit Aaron Hunt (Bremen).

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